Das Juliusspital
Ärztin aus Leidenschaft / Ärztin in stürmischen Zeiten.
Als Frauen operieren lernten
Ärztin aus Leidenschaft (Band 1)
Würzburg, Mitte 19. Jahrhundert: Bankierstochter Viviana Winkelmann träumt davon, Ärztin zu werden, obwohl Frauen seit 1800 nicht mehr studieren dürfen. Als die junge Frau sich unstandesgemäß verliebt und schwanger wird, wirft ihre Familie sie aus dem Stadtpalais. Um sich und ihre kleine Tochter Ella über Wasser zu halten, verdingt sich die einst vornehme Viviana als Gehilfin in der Apotheke des renommierten Würzburger Juliusspitals. Doch soll das wirklich alles sein, was sie als Frau im Leben erreichen kann? Sie belauscht Vorlesungen berühmter Ärzte am Spital und lernt Professor Virchow kennen, der einer Weltsensation auf der Spur ist. Ihre Zukunft, das spürt sie, die liegt als Ärztin im Spital – auch wenn ihr deswegen nicht nur der eigene Bruder zum erbitterten Feind wird.
Zwei Generationen und ein Traum: Ärztin zu werden
Ärztin in stürmischen Zeiten (Band 2)
Würzburg, Ende des 19. Jahrhunderts: Ebenso wie ihre Großmutter Viviana Winkelmann kämpft Henrike für das Recht der Frauen auf ein selbstbestimmtes Leben und die Zulassung zum Medizinstudium. Ihr Wunsch zu heilen ist so stark, dass sie heimlich als Reserve-Wärterin in der Irrenanstalt des Juliusspitals arbeitet, das dieser Tage wegen der Entdeckung der „Zauberstrahlen“ von Professor Röntgen Kopf steht. Ihr Traum ist es, als Irrenärztin das Leid der Geisteskranken zu lindern und bei dem vielgerühmten Professor Rieger im Spital zu studieren. Als Henrike sich jedoch in einen französischen Medizinstudenten verliebt, kommen ihre Geheimnisse ans Licht. Kurz darauf wird Würzburg von der Tuberkulose heimgesucht, und plötzlich geht es für Henrike um Leben und Tod. Ihr Traum von der Medizin und die Abschaffung des Immatrikulationsverbotes für Frauen rücken in weite Ferne. Für sie, ihre Großmutter und alle bildungshungrigen Frauen brechen stürmische Zeiten an.

Artwork by Nil Orange
Bahnbrechende Entdeckungen im 19. Jahrhundert und unsere drei Winkelmann-Frauen mittendrin
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das Interesse von Ärzten, in einem Krankenhaus zu arbeiten, noch gering. Sie unterhielten Privatpraxen. Nur allmählich begriffen Mediziner, dass sich aus den Untersuchungen der vielen Patienten im Wartesaal des Todes (wie Krankenhäuser damals im Volksmund genannt wurden) wissenschaftliche Erkenntnisse ziehen ließen. Anders als in einer Privatpraxis war es im Krankenhaus möglich, gleichartige Krankheitsverläufe bei Hunderten von Patienten zu beobachten und daraus zu lernen.
Krankenhausmedizin als Quelle der Wissenschaft
Die sogenannte Krankenhausmedizin wurde Ausgangsbasis für revolutionäre medizinische Erkenntnisse. Genau dieser Entwicklungsprozess hat unser Interesse geweckt, einen Krankenhausroman zu schreiben, der im 19. Jahrhundert spielt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden durch Krankenhausmediziner zahlreiche tradierte Krankheitsbilder als falsch entlarvt und bessere Behandlungsmethoden zum Beispiel gegen Hysterie, Typhus und Tripper entdeckt. Und schließlich gelang durch die Entdeckung der Röntgenstrahlen durch Wilhelm Conrad Röntgen im Jahr 1895 in Würzburg ein Durchbruch in der medizinischen Diagnostik. Um in den Menschen hinein zu schauen, musste nicht mehr operiert werden. Die Entdeckung wurde als Wunder gefeiert und Röntgen zum weithin berühmten „Wissenschafts-Star“.

Artwork by Nil Orange



Historischer Hintergrund
Krankenhaus im Wandel – einst als Wartessaal des Todes verschrien
Wenn wir heute in ein Krankenhaus gehen, haben wir vor allem eines: Hoffnung darauf, wieder gesund zu werden. Im 19. Jahrhundert war das Gegenteil der Fall. Lesen Sie im Roman über die Zustände in den Krankenhäusern unserer Urgroßeltern, als Krankenschwestern noch „Wärterinnen“ hießen und der Operateur von der Leichenschau weg und direkt in den Operationssaal eilte. Natürlich ohne Reinigung und Desinfektion.
Nicht nur Kranke mieden Krankenhäuser, auch Ärzte arbeiteten ungern dort. Viel lieber unterhielten sie Privatpraxen und machten Hausbesuche. Nur die besser-verdienenden Schichten konnten sich den Luxus eines Hausarztes (wie es für uns heute wohl selbstverständlich ist) leisten, und hatten genug Platz in ihren Häusern, einen Seuchenkranken im Notfall im vertrauten Umfeld zu isolieren. Handwerker, Dienstboten und (andere) Arme waren auf Krankenhäuser angewiesen, vor allem in Seuchenzeiten, wo Erkrankte nach Seuchen gesammelt isoliert wurden, aber auch poliklinische Sprechstunden – vergleichbar mit den heutigen Notaufnahmen – wurden in Krankenhäusern angeboten. Wer sich also einen Arm brach oder seit Monaten immer schlimmer hustete, ging zur poliklinischen Sprechstunde. Für Seuchenkranke gab es so genannte Isolierpavillons, in denen in einem Saal die Cholerakranken lagen, im nächsten die Tuberkulösen. Krankenhäuser, wie auch das Würzburger Juliusspital, galten im 19. Jahrhundert noch als Wartesaal des Todes, weil die Sterberaten sehr hoch waren.
Anders als in unseren Romanen über Margarethe Luther („Die Mutter des Satans„) und Lenchen Demuth („Revolution im Herzen„) sind unsere Heldinnen in der Juliusspital-Saga fiktiv. Nicht aber das Krankenhaus, dessen Abläufe und vor allem die weltberühmten Ärzte, die am Juliusspital lehrten. Wussten Sie, dass Rudolf Virchow (der an der Berliner Charité später sehr berühmt wurde) sein bahnbrechendes Lebenswerk (die Cellular-Pathologie) in Würzburg „entdeckte“, als er gerade mal 35 Jahre jung war?
Erst im 19. Jahrhundert entwickelten sich viele Krankenhäuser zu den uns heute bekannten Universitätskliniken. Die Charité ist die wohl berühmteste im deutschsprachigen Raum, obwohl das deutlich ältere Würzburger Juliusspital die Charité insbesondere von 1820 bis 1860 als herausragende Lehr- und Forschungsanstalt überbot. Die Hörerzahlen der Medizinischen Fakultät der Alma Julia mit dem Juliusspital als Lehrkrankenhaus übertrafen die Hörerzahlen der Medizinischen Fakultät der Charité sogar noch bis in die 80er-Jahre des 19. Jahrhunderts hinein. Ein Grund, warum unsere Wahl auf das Juliusspital als Handlungsort fiel, nachdem wir mit der Recherche zu Krankenhäusern im 19. Jahrhundert begonnen hatten.

Buchtrailer
Das Juliusspital
Drei Frauengenerationen im Kampf für Selbstbestimmung und persönliches Glück in einer Zeit, in der viele (Männer) glaubten, dass Gehirn der Frau sei anatomisch gar nicht für kompliziertere Gedanken gemacht.
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