Plötzlich mittendrin
Bei 35 Grad, kurzärmelig und ohne Nahrungsvorräte bei sich ist man eigentlich denkbar schlecht auf die Eiszeit vorbereitet. Und trotzdem hat es mich (Claudia) an genau solch einem heißen Tag wie heute mitten hinein gezogen, in eine Zeit vor mehr als vierzigtausend Jahren (Steinzeit). Ich bin nach Halle gefahren, um für unseren neuen Roman ein paar Details herauszufinden. Herausgekommen bin ich mit einem Notizbuch voller Dinge, die so gar nicht zu dem passen, was wir über die Steinzeit zu wissen glauben.
Erst am Schreibtisch, dann draußen in der Welt
Bevor wir den ersten Satz eines Romanes schreiben, sitzen wir an unseren Schreibtischen und lesen so lange, bis vor unserem inneren Auge ein erstes Bild einer Zeit und einer Geschichte entsteht. Das ist an mehreren Stellen aber noch verschwommen. Danach ist es Zeit, mehr Schärfe ins Bild zu bringen. Wir gehen auf Recherchereise. Kein Bildschirm kann den Moment ersetzen, in dem wir selbst an einem Schauplatz stehen oder bei einer wichtigen Recherche-Quelle nachforschen. Wir teilen uns die Recherchethemen oft nach Vorlieben auf und berichten uns danach ausführlich. Ich habe Nadja heute vermutlich alle halbe Stunde mit neuen Fotos und Erkenntnissen via Smartphone auf dem Laufenden gehalten :-). Mich, Claudia, führte der Weg heute ins Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. Ich bin schon länger gedanklich um das Museum drumherum geschlichen. Heute war es dann endlich soweit.

Was zwischen den Vitrinen geschieht
Nachdem ich durch die Sonderausstellung „Die Schamanin“ spaziert bin, stieg ich hinauf in die Steinzeit-Abteilung (2. OG), wo plötzlich jenes Wesen vor mir stand, das ich bis dahin nur von Abbildungen kannte: das Skelett eines Wollhaarmammuts (siehe Foto oben). Wow. Ich war hin und weg. Das Wollhaarmammut spielt in unserem neuen Romanprojekt eine wichtige, tierische Rolle. Und da stand es plötzlich als Skelett mit Stoßzähnen vor mir (Schulterhöhe bis 3,5 Meter). Das Wollhaarmammut war eine Art eiszeitlicher Elefant, nur mit ganz viel Fell dran, sehr kuschelig bestimmt. Ich bin lange davor stehen geblieben, und mir sind viele Gedanken im Kopf herumgegangen. Im neuen Roman gibt es eine Szene, in der unsere Helden so einem Tier gegenüber stehen. Ich habe mich wie im Roman gefühlt, wie bei einer Zeitreise.

Kein Höhlenmensch mit Keule weit und breit
Es ist (fast) unglaublich, wie hartnäckig sich das Bild vom „wilden Höhlenmenschen“ hält, der angeblich nur grunzte und sich grobe Felle überwarf, wenn es um Menschen der Steinzeit ging. Diese Menschen waren klug genug, sich stets neue Lebensräume zu erschließen, sie gerbten Felle mit Mitteln, die man schon „chemisch“ nennen kann, und sie lebten in kleinen Gemeinschaften, die sehr gut zusammenarbeiteten. (PS: Ich weiß inzwischen ganz genau, in welchem Schritten man ein erlegtes Mammut zerlegt und die Haut eben zu brauchbarem Leder macht, Sie wollen das vermutlich lieber nicht wissen.) Hätten Sie geahnt, dass der Faustkeil, der über 1,4 Millionen Jahre lang das wichtigste Schneidwerkzeug der Menschheit war und dies lange, vermutlich für immer, bleiben wird? Oder fällt Ihnen ein Werkzeug unserer Moderne oder der jüngeren Vergangenheit ein, das in einer Millionen Jahren immer noch nützlich sein könnte?
Als ich dann nach dem Museumsbesuch auf dem Hallenser Marktplatz bei 35 Grad saß und frische Erdbeeren aß, spürte ich wieder, dass Recherche sich immer dann am schönsten anfühlt, wenn sie mich Staunen lässt.

Das Museum für Vorgeschichte in Halle

Claudia vor einem echt sympathischen Neandertaler im Museum
Und der neue Roman?
Worum es darin geht, verraten wir noch nicht. Nur so viel sei gesagt: Es wird eine Romanreihe, die ganz anders ist als alles, was wir bisher geschrieben haben. Wir halten Sie auf dem Laufenden, sobald wir mehr preisgeben dürfen. Die Steinzeit spielt nur im ersten Band eine Rolle, was ich nach dem heutigen Tag bedauere. Diese besondere Zeit, die meiner Ansicht nach (Claudia) absolut unterschätzt ist, begeistert mich mit überraschenden Einsichten sehr. Hach ja.

